Ein Freund hat mich noch letzte Woche daran erinnert, das ich schon vor Jahren mal vor hatte den UTMB zu laufen. Das war lange bevor ich wusste was es bedeutet mehr als einen Marathon zu laufen oder erst recht nicht wie ich mehr als 24 Stunden durchhalten sollte. Mit genau diesem Gedanken stand ich nun in Chamonix du Mont-Blanc mit ca. 2300 anderen Startern am Start und wir werden beschallt von Partymusik und Anfeuerungen der Schaulustigen …. 9 Minuten bis zum Start. Aber nun mal von Anfang an. Am Mittwoch mache ich mich ziemlich kurzfristig mit einem Freund und dessen Wohnmobil auf zum Mont-Blanc. Mein eigentlicher Fahr- und Laufpartner ist leider krank geworden, was wirklich sehr schade ist denn es ist auch sein großer Traum gewesen. So geht es fast in einem Rutsch an den Genfer See an dem wir unsere Nacht verbringen. Am nächsten Tag geht es weiter nach Frankreich und mit ein bisschen Sightseeing auf der Strecke verbringen wir den Vormittag. Wir erklettern noch den letzten Berg um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen was uns am Ende der Strecke erwartet. Das Wetter ist super klasse! Der Aufstiegsweg sieht fast auf der ganzen Strecke so aus: steinig von kleinen Flüsschen durchzogen und an besonders steilen Stellen mit Leitern gesichert. Nachdem ich mein Zimmer im Hotel dann bezogen habe gehen wir uns anmelden und den Rucksack registrieren lassen sowie die Pflichtausrüstung vorzuzeigen. Das ganze wird bei uns Deutschen gegenüber den Franzosen sehr einfach gehandhabt, sodass wir nur unterschreiben müssen das wir es dabei haben und fertig.
Danach geht es los noch was zu essen besorgen und den Abend rumbringen. Es ist zu merken wie klein die Welt doch ist unter den 94 Deutschen Teilnehmern sind viele die ich schon von anderen Wettkämpfen kenne. So auch Florian Bechtel und Andreas Petruck mit denen ich kurz entschlossen noch viele Stunden verbringen sollte. Nach einer eher kurzen Nacht durch die Aufregung bedingt ziehe ich aus meinem Hotel aus und bei Florian und Andreas auf dem Campingplatz ein. Wir fahren zusammen um 14 Uhr zur Pasta-Party nach Chamonix. Es ist schönster Sonnenschein obwohl der Mont-Blanc sich in Wolken hüllt. Zu 18 Uhr geht es dann fertig ausgerüstet an den Start mit 2300 anderen Teilnehmern. Wir werden wie oben schon erwähnt mit Conquest of paradice beschallt. Das ist die eigentliche Hymne des UTMB was sehr passend ist denn hier wird jeder Läufer gefeiert wie ein Held. Am Start: Ich starte weil es in ca. 2 Stunden dunkel wird gleich in dem X-Bionic Energie Accumlator Shirt mit langen Armen, Spykern und einer dreiviertel langen X-BIONIC Running pant. Das sollte mich nach meinen guten Erfahrungen mit der Kleidung von X-Bionic gegen die Kälte der ersten Nacht gut rüsten. Für die eventuell noch anliegende zweite Nacht gibt es ja noch die Regenjacke das Buff und die Handschuhe aus der Pflichtausrüstung. An den Füßen trage ich Terroc 330 von Inov-8, für mehr Grip und stylische Gaiter in Geparden Farben von DirtyGirlGaiters. Als Rucksack habe ich ein extra kleines Modell von der Firma NathanSports gewählt mit dem ich schon einige Ultras gelaufen bin. Außerdem fühlt er sich sehr gut an und lässt sich auch nach Stunden noch gut tragen. Zusätzlich benutzte ich einen Bauchgurt mit einer Flasche und einigen Taschen für kleinere Ausrüstungsgegenstände, so ist die Ausrüstung so leicht wie möglich und so klein wie möglich.
An Wasser kann ich, wenn es drauf ankommen sollte, maximal 4,5l mit mir rumtragen was besser nicht der Fall werden sollte. Denn dann wird es schwer werden mich noch schnell fortzubewegen. Und …. dann kommen die letzten 10 Sekunden die zählen alle Läufer zusammen mit. Es sind Läufer aus fast allen Länder der Welt am Start. Und schon geht es los. Wir drängen uns alle zur Startlinie an Laufen ist nicht zu denken. Das bleibt auch für die nächsten 500m so durch den Ort Chamonix. Wir werden gefeiert wie die bei Auszog der 300 Spartaner aus Sparta im Kampf gegen die Persier. Aber irgendwann ist dann Platz und alle laufen los als wäre es ein Stadtmarathon und kein 100 Meilen Berg-Ultra. Naja ich trabe also mit mal schauen wie lange das geht.
Les Houches (8,0km., 1012Hm) Alles geht mit Stöcken auf den Berg an Laufen ist durch die Steigung gar nicht zu denken. Ich denke nur das ist erst der erste von 11 Bergen. Das kann ja heiter werden die Herzfrequenz liegt bei einer Auslastung von 90%. Ich muss das Tempo rausnehmen. Ich überquere La Charme (14,9km, 1799Hm) und die Sonne geht sehr schnell unter sodass ich im Dunkeln in Saint Gervais (21,0 km, 807 Hm) ankomme. Mein langarmiges Oberteil wärmt mich so gut das ich mich nicht wie die anderen Teilnehmer umziehen muss sonder mich in aller Ruhe verpflegen kann. Dann geht es weiter über Les Contamines (30,9 km, 1160 Hm) in die Nacht hinein. Die Schlange der Stirnlampen ist durch Nacht über Kilometer zu sehen und das solange ich sehen kann. Langsam wird es kälter und nebliger an den Wege sind immer noch sehr viel Zuschauer die uns feiern wie die größten Helden La Balme (38,9 km, 1706Hm) Auf diesem Verpflegungspunkt steht eine große Runde Lampe die schon seit Stunden zusehen ist und den Läufern den Weg weißt und vorgaukelt das es Vollmond ist. Der Verpflegungspunkt ist super ausgestattet, ich ernähre mich wegen der Kälte fast nur noch mit Nudelsuppe weil sie so schön wärmt. Col du Bonhomme (42,5 km, 2329Hm) Der Aufstieg ist nicht nur die Unwegsamkeit und Dunkelheit erschwert, sondern auch durch dichten Nebel mit leichtem Nieselregen. Dabei ist es immer noch nicht so kalt das ich eine Regenjacke brauche. Später berichten mir Mitläufer das wir nur noch 5 Grad Celsius hatten. Ich hab es nicht gemerkt. Wobei mir die Anstrengung anzusehen ist!
Refuge de la Croix du Bonhomme (44,4 km, 2433Hm) Der Weg war durch den Nebel nur noch durch die Rufe und Leuchten der Helfer zu finden. Ohne die wären die Streckenmarkierungen nicht mehr zu erkennen gewesen. Ich möchte nicht wissen wie oft ich vor einem Abgrund gestanden habe. Aber danach geht es dann wieder abwärts. Ich werde immer wieder von Italiener und Franzosen überholt die den Berg hinablaufen als wäre unten das Ziel. Les Chapieux (49,8 km, 1549Hm) Dort im Zelt sehe ich Andreas das letzte Mal der mir mitteilt das es ihm vom Kreislauf nicht gut geht und er langsamer machen muss. Er meint es wäre nicht sein Tag. Nun ja ich sag er soll warten der morgige wird bestimmt besser :-) Etwas Humor schadet ja nie. Wir verabschieden uns mit wir sehen uns … naja leider erst im Ziel wieder! Col de la Seigne (60,1 km, 2516Hm) Der nächste Gipfel ist im Nebel erklommen. Bei diesem Aufstieg hatte ich das Gefühl er würde nie enden und es könnte auch der Everest sein. Bin mir nicht mehr sicher ob Bergauf mehr Spaß macht mit Sicht auf den Berg oder ohne. Es wird bergab langsam wieder hell und sehr windig. Kurz vor der nächsten Verpflegungsstelle ist das Massiv des Mont-Blanc schon von hinten zu sehen. Was für eine Anblick. Nun geht es schnell weiter über noch ein paar kleinere Berge bis zu einem echt steilen Trail der wohl eigentlich ein Wanderweg ist, nur wandert den so etwas? Naja die Franzosen sprinten mal wieder ins Tal es geht auf Courmayeur zu. Courmayeur (77,5 km, 1190Hm) Dort angekommen habe ich das erste Mal richtig dicke Beine und sie versagen das erste Mal den Dienst beim Laufen. Ich habe einen 4 Stunden auf den Cut-Off herausgearbeitet. Ich verpflastere meine Blasen, esse Nudeln und ziehen mein kurzärmeliges X-Bionic Fennc Shirt an.Danach geht’s weiter, meine Pause ist damit ca. 20 Minuten lang gewesen.
Refuge Bertone (82,4 km, 1989Hm) Der Aufstieg daraufhin war sehr schwer für mich. Mein Körper wollte nach der Pause in Cormayeur nicht mehr in Gang kommen. Zusätzlich war der Weg sehr steil und lag voll in der Sonne so habe ich sehr lange bis darauf gebraucht. Refuge Bonati (89,9 km, 2020Hm) Arnuva (94,2 km, 1769Hm) von dort aus steigt die Strecke nur noch an bis auf den höchsten Punkt des Trails. Meine Beine wollen eigentlich mehr Ruhe als ständig rauf und runter und rauf wollen sie jetzt gerade mal gar nicht also quäle ich meine Körper nach oben. Grand Col Ferret (98,8 km, 2537Hm) Oben angekommen herrscht ein eisiger Wind und schon wieder Nebel sodass ich mich schnell von meinem Fennec Shirt trenne und in mein wärmendes Langes Oberteil schlüpfe. La Fouly (108,1 km, 1593Hm) Endlich wieder im Tal. Es wird langsam schon wieder dunkel und nach einem kurzen Zeit in einem Verpflegungszelt stelle ich fest das ich ziemlich friere und meine Regenjacke muss jetzt als Kälteschutz herhalten, Handschuhe und Mütze ebenso. Leider muss ich feststellen das meine Beine nicht mehr so recht laufen wollen also ist schnelles gehen mit Stöcken angesagt. Es geht auf einer angenehmen Strecken mit wenig Höhenmeter durch dunkle Ort in Richtung Champex. Das Schöne an diesen Orten ist das auch dort noch Bewohner auf der Straße sind die die Läufer feiern als wären sie die größten Helden. Ein tolles Gefühl!
Champey-Lac (122,8 km, 1477Hm) Hier ist der UTMB zugleich auch ein großes Volksfest. Verpflegt werde ich in einem 500 Personen Zelt mit super Essen und reichlich Kaffee. Im nach hinein weiß ich glaub ich wieso die die Läufer so feiern, das weiß jeder was jetzt kommt. Nämlich der Bovine, dieser Berg ist der heimlich König des UTMB. Bovine (132,0 km, 1987Hm) Der Aufstieg war sehr schwer! Für die 3,5km fast 5 Stunden, es ist so als wären auf 2,5m breite wahlos Steine gestapelt worden keiner kleiner als 1m im Durchmesser. Das ganze fast gerade immer nach oben. Um andere Läufer sehen zu können vor einem musste ich ständig den Kopf heben was dazu führt das mir letztendlich übel wurde. Von der Anstrengung und Müdigkeit mal ganz abgesehen. Oben am Verpflegungspunkt bin dann im stehen mit Kaffeetasse in der Hand eingeschlafen. Vor dem Aufschlag auf dem Boden aber wieder aufgewacht :-)
Fotos gibt es von dem Aufstieg von mir leider nicht da ich ständig damit beschäftigt war meinen Körper auf laufen zu halten und nicht zu stürzen oder einzuschlafen. Runter vom Bovine nach Trient ging es dann wieder richtig gut die Beine haben sich erholt und trotz des schwersten und steilsten Abstiegs des Trails bin ich schnell in Trient. Trient (138,2 km, 1300Hm) Ich mache nur ca. 5 Minuten Pause und laufe gleich weiter. Wenn unter den letzten zwei Bergen noch so einer kommt hab ich ein Problem mit dem Zeitlimit also weiter. Der nächste Berg geht super … ich überhole sehr viele andere Läufer. Oben holt mich leider die Müdigkeit wieder ein und ich trabe hinter den anderen wieder ins Tal nach Vallorcine. Dieser Abstieg macht mir sehr zu schaffen mein linkes Schienbein schmerzt und die Oberschenkel wollen nicht mehr bergab laufen. Vallorcine (147,7 km, 1260Hm) Dort angekommen heißt es für mich nur noch schnell verpflegen und bloß weiter nicht wieder kalt werden oder noch mehr Müde. Ich trage immer noch das langärmlige Oberteil es wärmt so schön. Ein Berg noch, der Körper läuft auf Notstrom und der Kopf will nur noch fertig werden. Ich schaffe die Strecke zum Fuß des Berges in nur 20 Minuten und beginne mit dem letzten Anstieg und quäle mich hinauf. Oben angekommen geht der Trail immer weiter nichts mich gleich geht’s wieder runter und ins Ziel noch 4 Kilometer schwerster Trail mit Riesen Stufen. Mein Schienbein will nirgends mehr runter. Die Sonne brennt sehr heiß und ich habe das Gefühl das mein Kopf kocht auch Wasser drauf kippen hilft nicht so ganz. Dann endlich stehe ich in La Flegere (158,7 km, 1877Hm) Es geht nur noch 7 Kilometer hinab ins Tal. Aber wer jetzt denkt sie lassen es locker auslaufen keineswegs es geht nochmal nochmal richtig zur Sache. Wurzeln, Steine, Stufen, Kies alles was Spaß macht nur nicht wenn der Körper schon 42 Stunden unterwegs ist. Mental bin ich mittlerweile auch am Ende und selbst der Wille kämpft ..... Jetzt heißt es nur noch fertig werden. Ich unterhalte mich noch kurz mit ein paar Deutschen Urlaubern die mich ein wenig aufbauen. Mit einem Italiener zusammen trabe ich in Richtung Chamonix, wir unterhalten uns mit Händen und Füßen. Chamonix (165,8 km, 1035Hm) Ich laufe in Chamonix ein überall Menschen die klatschen und mich feiern. Doch keiner sagt wo lang die Strecke ist nicht mehr erkennbar, oder ich war zu müde. Ich werde durch die Straßen gelenkt bis es eindeutig ist da ist das Ziel.
Ich bin da! Nach 42 Stunden und 42 Minuten komme ich als Platz 860 durch Ziel. Am Telefon heule ich erstmal meiner Freundin und meinen Eltern was vor die zu hause die Nächte am PC verbracht haben und mitgefiebert haben. Ich bekomme meine Finisher Weste und einer meiner Träume ist erfüllt. Ein harter aber schöner Traum wars. Ich stelle im ersten Moment für mich fest das mache ich nie wieder ….. naja erstmal nicht …. vielleicht …. Jetzt mit etwas Abstand denke ich weiß ich sogar wie ich so etwas trainieren kann ….! So und jetzt werde ich mich erstmal erholen und ordentlich auskurieren, es kann sich vermutlich keiner vorstellen wie sich mein Körper am nächsten Tag angefühlt hat.