Nanga Parbat

Es schneit. Immer noch oder schon wieder. Es hat die letzten 3 Tage geschneit. Die Sicht ist schlecht, das Spuren im Neuschnee ist mühsam und das Herausreißen der eingefrorenen und eingeschneiten Fixseile kostet unendlich viel Kraft. Kraft die wir schon lange nicht mehr haben…

1. Teil

Es schneit. Immer noch oder schon wieder. Es hat die letzten 3 Tage geschneit. Die Sicht ist schlecht, das Spuren im Neuschnee ist mühsam und das Herausreißen der eingefrorenen und eingeschneiten Fixseile kostet unendlich viel Kraft. Kraft die wir schon lange nicht mehr haben…

Unsere Körper waren perfekt auf dieses Unternehmen vorbereitet. Jeder von uns hat hart trainiert, entbehrt und gelitten. Hier aber, In den letzten Wochen wurden unsere Körper kraftlose, geschundene und ausgezehrte Hüllen, die nur noch mit unermüdlicher Motivation und Willensstärke angetrieben werden können. Kompromissloses „nach oben“ war unsere Einstellung. Trotz aller Vorsicht, Bedenken und Beteuerungen - bis zu einem gewissen Maße ist diese Einstellung unumgänglich, wenn man auf einem schwierigen Achttausender erfolgreich sein will. Man nimmt ein unkalkulierbares Restrisiko in Kauf. Jede andere Behauptung wäre schlichtweg gelogen. Wir haben alle schon Achttausender gemacht. Wir kennen die extreme Höhe. Und wir kennen ihre Gefahren.

27.03.2009 - 17:38
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sites/default/files/imagecache/blog_teaser_small/blog/teaser/Bild Die Diamirflanke am Nanga Parbat.JPG
2. Teil

Wir sind 6 begeisterte Bergsteiger/innen aus Österreich und Deutschland. Ein bunter Haufen, von der Biologiestudentin bis zum Rettungssanitäter. Kennen gelernt haben wir uns auf verschiedenen Expeditionen in den letzten Jahren. Unser gemeinsames Ziel für den Sommer 2008 war der 8125 m hohe Nanga Parbat. Der „Nackte Berg“ wie ihn die Einheimischen nennen ist der Berg der Superlative. Der westlichste Achttausender, die höchste freistehende Erhebung, die zwei höchsten Wände der Welt bilden seine Flanken, die fast 4500 m hohe Rupalwand im Süden und die fast 4000 m hohe Diamirflanke im Westen. „Killer Mountain“, „Schicksalsberg der Deutschen“, schwieriger und gefährlicher als der K2, in der Todesstatistik ganz vorn, in der Besteigungsstatistik dafür umso weiter hinten. Stimmt alles, und stimmt doch nicht ganz. Die hohe Todesrate an diesem Berg rührt aus den frühen deutschen Besteigungsversuchen der Dreißiger Jahre, als Todesopfer zu einem richtigen Gipfelsieg im Himalaya einfach noch dazugehörten. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde der Nanga Parbat auf verschiedenen Routen etwa 200 Mal bestiegen und dabei auch immer wieder Alpingeschichte geschrieben. Tote gibt es zwar immer noch regelmäßig am Nanga Parbat, allerdings nicht mehr als auf anderen Achttausendern.

Jeder von uns hatte seine eigenen Beweggründe, zum Nanga Parbat zu fahren. Gemeinsam waren uns die Freude auf dieses Abenteuer und die Begeisterung für die Herausforderung. Wir wollten die Kinshofer Route in der Diamirflanke versuchen. Eine direkte und schöne Linie die knapp 4000 Höhenmeter im steilen Eis, Fels und Schnee zum Gipfel führt. Wir verzichteten wie immer auf künstlichen Sauerstoff und auf Hochträger.

27.03.2009 - 17:36
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sites/default/files/imagecache/blog_teaser_small/blog/teaser/Bild-In-der-Low-Eisrinne2_0.jpg
3. Teil

Anfang Juni traten wir die Reise zum Nanga Parbat an. Das erste Mal Glück hatten wir in Islamabad, als wir in unserem Kleinbus an der Dänischen Botschaft vorbeifuhren - just in dem Moment als diese gerade in die Luft gesprengt wurde. Die weitere Reise bis zum 4250 m hohen Basislager an der Diamirseite des Nanga Parbat verlief problemlos. Nur einer von uns hatte Pech und holte sich bei der dreitägigen Wanderung durch das Diamirtal seine erste Durchfallerkrankung mit Fieber auf dieser Reise. Es wird nicht die letzte gewesen sein. Im Basecamp angekommen dann wieder Glück. Zwei deutsche Teams sind schon hier und haben bereits bis in eine Höhe von 6000 m Fixseile verlegt. Wir sind überaus dankbar und bieten unsere Hilfe für die weiteren Arbeiten an. Mit dem Wetter haben wir zunächst Glück. 4 Wochen lang sehen wir kaum eine Wolke. Die Arbeiten gehen gut voran. Bald stehen unsere Hochlager. Camp 1 zwischen zwei großen Lawinenstrichen am Wandfuß unter dem Schutz einer kleinen überhängenden Felswand auf 4900 m, Camp 2 auf einem wunderschönen Adlerhorst in 6000 m Höhe und die Zeltplattformen für Camp 3 auf 6850 m in einen steilen Eishang gepickelt. Gebremst wurden wir nur durch eine beinahe Katastrophe als einer unserer Gruppe in der Kinshoferwand, einer 150 m hohen senkrechten Felswand im V. Schwierigkeitsgrad, von einem Stein von der Größe eines Autoreifens gestreift wurde, einmal eine Riesenlawine die komplette Aufstiegsspur zu Camp1 verschüttete und dort auch noch zwei unserer Zelte um ein paar Meter verfehlte und schließlich noch durch die Amöben, diverse antibiotikaresistente E. coli Bakterienstämme und eine ungeheure Vielfalt von anderen Krankheitserregern, die uns in regelmäßigen Abständen in die Knie zwangen. Wenn man vom Berg runterkam und sich von der Schinderei erholen wollte, konnte man sich fast sicher sein, die Ruhephasen mit extremen Durchfall und Fieber zu verbringen. Wir hatten in dieser Hinsicht allerlei Pech. Kam der eine noch mit einer zwar harmlosen, dafür aber wiederkehrenden Durchfallerkrankung davon, erwischte es andere mit einer Amöbenruhr. Manche hatten sie sogar zweimal hintereinander. Die Dehydration bei einer Amöbenruhr ist dermaßen massiv, dass man spätestens nach einem Tag Infusionen benötigt. Flüssigkeit die man anders zu sich nimmt, verlässt den Körper auf direktem Wege. Unmittelbar. Es helfen nur sehr starke Antibiotika beziehungsweise Chemotherapeutika. Gesund ist das nicht. Und der Leistungsfähigkeit am Berg ist das auch nicht unbedingt zuträglich. Aber was soll’s. Man will ja schließlich nicht an einer Durchfallerkrankung sterben.

Wir haben in dieser Zeit viel Energie und Kraft beim Klettern und Arbeiten am Berg verloren. Und noch viel mehr bei den Erkrankungen im Basislager. Als unsere Hochlager fertig waren, waren wir es auch. Und das schöne Wetter ebenso. Wir hatten Pech. Es hat zu schneien begonnen. Glück hingegen hatten wir mit unserer Ausrüstung, die nur vom allerfeinsten war. So banal es auch klingen mag, die Ausrüstung ist in so einer extremen Situation wie wir sie am Nanga Parbat erlebt haben das allerletzte, um das man sich Sorgen machen will. Das muss einfach funktionieren. Auch wenn nichts anders mehr funktioniert. Wie gesagt, wir waren in der glücklichen Lage, nur das Beste zur Verfügung zu haben. Egal ob Zelte, Schlafsäcke oder Bekleidung. An dieser Stelle können wir die Socken und Funktionsunterwäsche von x-bionic (x-socks und x-undergear) uneingeschränkt empfehlen und loben. Die Sachen funktionieren!

27.03.2009 - 17:35
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sites/default/files/imagecache/blog_teaser_small/blog/teaser/Bild-Camp2-auf-6000-m-Hoehe.jpg

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